übertage bringt Texte zur Unzeit, übertage sendet aus dem off

 

​​​übertage ist ein Journal: eine offene Form, die mir hilft, aufmerksamer zu sein – mit soft eyes durch die Welt zu gehen –, etwas vom Tage aufzubewahren. Kein klassisches Tagebuch, vielmehr ein virtueller Ort für Gedanken, Geschichten und Eindrücke; manch ein Faden wird gesponnen und weitergesponnen, anderes bleibt Fragment. In diesem Sinne steht Tag hier nicht so sehr für eine Zeitspanne als vielmehr - bildlich gesprochen - für die dem Tageslicht, dem Licht ausgesetzte Oberfläche der Dinge. (Aber mit dem Licht muss man auch vorsichtig sein, es kann die Dinge entstellen, ihnen ihre Konturen nehmen, sie unkenntlich machen.) Vielerlei Versuch hat hier seinen Ort, mancherlei Grabung.

Das Schreiben selbst ist das eigentliche Abenteuer. Ich lasse mir Zeit und fordere sie ein. Ich greife etwas, weiß oft selbst nicht recht, was es ist, noch was es sein kann. Im Schreiben darüber betrachte ich es, werde mir seiner Bedeutung bewusst oder lasse sie im Verborgenen. Immer fällt das Licht, zeigt etwas, lässt anderes verschwinden. Anlass für einen Text kann Alles sein, eine Szene, die sich im Alltag ereignet, eine Begegnung, ein Bild, das ich betrachte. Ein Film, ein Lied, ein Wort, ein Blick. Für Dich, den Leser oder die Leserin, ist das eine ebensolche Herausforderung wie für mich. Wer sich auf die Reise einlässt, findet aber vielleicht etwas, wonach er nie gesucht hat. Mir jedenfalls geht es so, in guten Momenten. Teil sie mit mir.

In der Reihe Das Gedächtnis der Bilder widme ich mich, vermittelt über fotografische Bilder und bruchstückhafte Erinnerungen, der Geschichte meiner Familie, oder: meiner Rolle darin. Familie, so wie ich es erlebe, ist eine Geschichte des Verlusts; als Verlust aber kann ich sie nicht stehenlassen, ich muss mich besinnen auf die tausend dünnen Fäden, über die ich mit ihr und der Welt verbunden bin. Fotografien lassen mich momentlang die Gegenwart von Menschen erfahren, die lange gegangen sind. - Und dann gibt es da noch die Reihe Gegenlicht, in der - was leider im Moment noch zu selten geschieht - Gastbeiträge veröffentlicht werden.

...hier entlang nun also zum Journal...

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