• Britta

Ein Wort auf seines

Ich befürchte, sie könnten mich hören, könnten noch durch die Wände hindurch hören, wie ich immer wieder erneut anhebe und in die Stille hinein spreche, ein verschleppter Takt aus einzelnen Worten. Meine Finger sind starr um den Hörer gelegt, ich spüre die Kälte in diesem offenen Flur, unter der Haustür zieht der Wind hindurch. Ich sehe immer wieder zur Tür. Die Kälte und die Scham sind es, die mich leise sprechen lassen. Etwas hält mich hier und zwingt mich, gespannt, wie mit ausgestreckten Armen, in die Stille hineinzugehen und seinen Worten einen Sinn zu geben. Eine Bedeutung nur für den Moment, sie muss mich tragen, bis ich ein Wort auf seines geben kann, eine vielleicht ganz abwegige Assoziation, mit der er sich zufriedengibt als Zeichen dafür, dass ich ihm folge.

Es gibt kein schwaches Licht hier, so brennt grelles Neonlicht von der Decke herab. Im hinteren Teil des Flurs ist es dunkler, ich krieche soweit ich kann in das Zwielicht hinein. Einmal glaube ich, die Verbindung sei abgebrochen. Ich überschlage die Möglichkeiten, spiele mit der Hoffnung, das Warten könne ihm zu lang geworden sein, er könne den Entschluss gefasst haben, mich schonen zu wollen. Brüchig meine Stimme, die Worte gepresst, jeden Gedanken

treiben sie von sich fort. Ich höre mir selbst zu, halte mich im Zaum. Ich versuche es mit weichen Wörtern. Sie lösen sich voneinander, verklingen und ziehen erneut durch meine Gedanken. Plötzlich glaube ich Atmen zu hören. Beiläufig, nicht wie vom Ausatmen von Zigarettenrauch. Ich denke an seine weiße Haut. Seine dünnen Haare wie Flaum von jungen Vögeln auf seinem Schädel, der mir so groß erscheint, von einer Form, die nicht an einen Kopf erinnert, sondern an ein Stück geformtes, wie eine Birne geformtes Holz, gerundet und glatt. Ich stelle mir vor, er sitzt wie ich im hellen Licht, das auf ihn hinabscheint und den ganzen Raum erfüllt, ein Regalbrett aus braunem Holz hängt an der Wand vor ihm. Er sitzt auf grauem Teppichboden, er betrachtet den Staub, der daraus aufsteigt und wieder hinabsinkt. Viel später las ich einen Namen, den Namen eines Schriftstellers auf dem Umschlag eines Buches, sprach das c am Ende seines Namens wie ein k aus, erprobte den Klang einer weicheren Endung.




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Fotografie & Text: übertage - texte aus dem off, Januar 2021



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