• Britta

Im ersten Sturm

Aktualisiert: 16. Apr.


Ich sehe uns vier in einer Reihe stehen, nebeneinander stehen wir mit unseren Rücken an der Wand. Wie in einem Bühnenraum stehen wir, graues Licht legt sich um uns, grau wirken unsere Kleider. Ich glaube die Kälte zu spüren, die von der Wand abstrahlt, vielleicht ist es auch ein Luftzug, der hinter uns weht, einen nach dem anderen streift er uns und lässt uns einen Schritt in den Raum hinein treten. Wir stehen, als posierten wir vor unsichtbaren Kameras, vor einem Publikum, das wir uns ausdenken. Niemand richtet seinen Blick auf uns, ich wende den Kopf nach links, einem der anderen zu, und erstarre beim Anblick der Selbstzufriedenheit, des Wohlgefallens an sich selbst, die ich in seinem Gesicht zu sehen glaube. Seine Wangen gerötet und in seinen Augen eine Erwartung, als sähe er die Zukunft wie einen vor ihm auf die Wand projizierten Film. Ich halte meinen Blick auf ihn gerichtet und spüre, wie Tränen meine Wangen hinabrinnen, die Augen Öffnungen meiner selbst, abgetrieben von allem. Ich will mich abwenden, will den leeren Raum absuchen, aber ich kann nicht, ich frage mich, wann sie mich entdecken, wann sie den Blick von dem abwenden, was ihnen erscheint.


Noch glaube ich den leichten Druck seiner Berührung zu spüren, er umgreift mich mit den Armen, eine Begegnung voller Erwartung nach langer Zeit, unter einer hohen Kuppel aus Licht, im ersten Sturm unseres Wiedersehens taumeln wir leicht in einer gemeinsamen Bewegung.




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Fotografie und Text: übertage (texte aus dem off), April 2022

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