• Britta

Nacht (Paare/Passanten)

Selbst am Tag liegt der Weg, der entlang der Panke und weiter zur Brücke führt, im Dunkel. In der Nacht kommt es mir so vor, als lösten sich Schatten aus dem Hintergrund wie aus einer Welt jenseits. Es ist finster, meist dringt von irgendwoher Musik herüber, oft HipHop, gelegentlich orientalische Klänge, Stimmen. Licht fällt von weiter her; die Ränder des Hofs, der sich zwischen den Hochhauskomplexen erstreckt, sind von Laternen gesäumt. Im Sommer verliert sich das Licht in dichtem Buschwerk, das den Weg am Ufer säumt; jetzt, im Winter, dringt ein wenig davon zu mir auf den Weg, es bildet ungleichmäßige helle Flächen am Boden, doch wenn ich aufschaue, ist es dunkel um mich. Ich gehe weiter und orientiere mich an den fließenden Lichtreflexen des Wassers, ein mit hellen Flecken gesprenkeltes Band, das neben mir läuft, als halte es jemand in Betrieb. Ich schaue in den Himmel, der Himmel über der Stadt ist von einem durchscheinenden Grau in der Nacht, helle Rottöne mischen sich hinein, vor diesem Hintergrund treten die Äste der Bäume schwarz und feingliedrig hervor. Ich spüre das Holz der Brücke unter meinen Füßen, spüre den hohlen Klang meiner Schritte. Plötzlich trifft mich das blendende Licht eines Scheinwerfers, es zieht einen Bogen um mich und verschwindet. Für einen kurzen Moment kann ich die Umrisse eines Körpers auf dem Brückengeländer erkennen, genau in der Mitte der Brücke. Ich zögere kurz, dann gehe ich weiter. Ich sehe dort, genau dort, oft Menschen stehen, als sei es ein magischer Ort. Sie schauen aufs Wasser oder halten einfach inne. Einmal, an einem warmen Sonntag, hatten zwei Kinder dort eine Decke ausgebreitet, auf der sie den Vorbeigehenden einige Dinge zum Verkauf anboten. Ich lächelte unwillkürlich beim Anblick der zusammengetragenen Dinge, die Kinder aber schwiegen und schienen dennoch vertieft in ein sonderbares Gespräch.

Als ich mich dem Körper auf dem Brückengeländer näherte, erkannte ich vage, dass jemand dort oben saß, die Beine hingen vom Geländer herab. Zwei Stimmen waren leise zu hören, ich glaubte die eines Mannes und die einer Frau unterscheiden zu können. Jemand stand dicht beim Brückengeländer, die Gesichter der beiden mussten einander nahe und zugewandt sein, sie verschmolzen in der Dunkelheit. Als ich schon fast das andere Ende


der Brücke erreicht hatte, hörte ich sie leise lachen, es klang schon wie aus weiter Ferne, als läge der Fluss zwischen uns. Ich nahm nicht den Weg entlang der Häuser, folgte nicht den Lichtern der Straße, hielt mich im Schutze der Dunkelheit.



Foto: pixabay (Bearbeitung BC)


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